Palmöl - aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken

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Palmöl - aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken

Palmöl - ein multifunktioneller und nicht ganz unumstrittener Stoff, der in so vielen Produkten steckt, ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Egal ob Essen oder Kosmetika, Putzmittel oder Autotank - überall dort ist Palmöl drin.

Palmöl in unseren täglichen Produkten

 
Egal also ob Fertigpizza, Kekse oder Margarine, egal ob Eiscreme oder Wurstwaren, egal ob Körpercremes, Schminke oder Seifen, egal ob Kerzen oder Waschmittel - Palmöl ist auf jeden Fall drin. Palmöl findet schon sehr lange, seit mehr als tausend Jahren, als essentieller Bestandteil in der menschlichen Ernährung Anwendung. Eher unbekannt hingegen: Nahezu 50 Prozent des importierten Palmöls findet sich im sogenannten Biosprit.
 
Als eine nicht unwesentliche Ursache der Regenwaldabholzung gilt die im Jahre 2009 beschlossene gesetzliche Beimischungspflicht des Agrosprits in Benzin sowie Diesel. Doch mit dem Boom der Agrartreibstoffe ist es zu einer regelrechten Explosion der Nachfrage nach Palmöl gekommen. In nur zehn Jahren hat sich der weltweite Palmölverbrauch verdoppelt. Damit fließt Palmöl immer öfter in Öltanks - beschleunigte Zerstörung der tropischen Regenwälder und massiver Kohlenstoffdioxid-Ausstoß inklusive. Keine Frage: Die Verwertung von Palmöl scheint durchaus lukrativ - zumindest Großkonzernen beschert diese Essenz regelmäßig große Gewinne.
 
Mit nicht weniger als 66 Millionen Tonnen jährlich ist Palmöl inzwischen das meist produzierte Pflanzenöl. Mehr als 20 Prozent entstammen nachhaltiger Produktion. Der vergleichsweise niedrige Weltmarktpreis und die günstigen Verarbeitungseigenschaften haben es so attraktiv gemacht, dass Palmöl mittlerweile in jedem zweiten Supermarktprodukt enthalten ist. Den Kleinbauern hingegen werden Land und Lebensgrundlagen geraubt. So wundert es nicht, dass Regenwaldrodungen und Artensterben sowie Vertreibungen zu den negativen Begleiterscheinungen des Palmölkonsums zählen.
Hinter Indien mit 22 Prozent rangiert die EU mit 14 Prozent weltweit auf dem zweiten Platz in puncto Import von Palmöl - damit noch vor China, welches 11 Prozent Palmöl einführt. Am meisten Palmöl wird mit 9,1 Millionen Tonnen in Indien, gefolgt von Indonesien mit 8,5 Millionen Tonnen, verbraucht. In diesen Ländern gelangt Palmöl traditionell insbesondere beim Braten und Kochen zum Einsatz. 2016 hat die EU die imposante Menge von 6,43 Millionen Tonnen Palmöl importiert. Davon entfielen 4,37 Millionen Tonnen auf Importe aus Indonesien und 2,06 Millionen Tonnen auf jene aus Malaysia. Deutschland bezog gemäß den Angaben der Bundesregierung 1,34 Millionen Tonnen jährlich.
 
Darüber hinaus wurden noch 600.000 Tonnen Palmöl hierzulande importiert - als Bestandteil diverser End- und Zwischenprodukte. Dies entspricht einem Palmöl-Gesamtverbrauch von rund zwei Prozent der Produktion weltweit.


Wie wird Palmöl gewonnen?

Es sind die Früchte der Ölpalme, aus denen Palmöl hergestellt wird. Es ist nicht nur das Fruchtfleisch, sondern auch der Kern der Ölpalmfrüchte, aus denen wertvolle Öle gewonnen werden - das Palmöl aus ihrem Fruchtfleisch, das vergleichsweise feste Palmkernöl hingegen aus den Kernen ihrer Früchte. Obwohl aus derselben Frucht gewonnen, erweisen sich die Zusammensetzungen von Palmöl und Palmkernöl als sehr unterschiedlich. Palmkernöl gelangt wegen seiner Konsistenz insbesondere in der Süßwarenindustrie zum Einsatz. Besondere Wertschätzung erfahren seine herausragenden Eigenschaften als Trägerstoff für Vitamine und Aromen, welche ohne Palmkernöl kaum in Lebensmittel einzubringen sind. Seine besonderen Eigenschaften - sie finden sich im Bereich der Pflanzenöle nur noch in Kokosöl -erklären auch die große Nachfrage der Kosmetik- und Waschmittelindustrie. Kaum verwunderlich also, dass Palmkernöl in diversen Kosmetikprodukten, zum Beispiel Lippenstift und Hautcreme, enthalten ist. Aus Palmkernöl lassen sich waschaktive Substanzen gewinnen - als sogenannte Tenside stecken Sie in Shampoos sowie Wasch- und Reinigungsmitteln. Das Fruchtfleisch ist gelblich bis orangefarben. Der Ölgehalt der Früchte ist kurz vor der Ernte am höchsten - er beträgt zu diesem Zeitpunkt etwa 45 bis 50 Prozent. Nach der Ernte ist Sterilisieren und Pressen der reifen Früchte angezeigt, in dessen Folge das rohe Palmöl entsteht.
 

Keine Frage: Palmöl besitzt viele positive Eigenschaften. Besonders hervorzuheben ist die feste Konsistenz bei Zimmertemperatur - eine chemische Härtung ist somit nicht erforderlich. Außerdem ist Palmöl geschmacksneutral, außerordentlich hitze-stabil und extrem haltbar. Nicht zuletzt macht Palmöl Lebensmittel auch besonders streichfähig. Diese positiven Eigenschaften liefern auch sogleich die Erklärung, warum Palmöl in vielen Produkten enthalten ist - in Margarine und Fertigprodukten genauso wie in Back- und Süßwaren, aber auch in Kosmetikprodukten sowie Kerzen und Waschmitteln. Diese einzigartigen natürlichen Eigenschaften sind letztlich der Grund, warum Palmöl kaum durch andere Rohwaren zu ersetzen ist. Etwa 70 Prozent des auf der Welt produzierten Palmöls gelangen in die Lebensmittelproduktion. Weitere fünf Prozent finden im Bereich der Bioenergie Anwendung. Die verbleibenden 25 Prozent finden sich vornehmlich in Kosmetikprodukten und Waschmitteln sowie Kerzen und sogar als Schmierstoffe in der Industrie.
 

Palmöl in Kosmetik Produkten

Apropos Kosmetik - Caprylic/Capric Tryglyceride: Letztere stehen für ein hautverträgliches Öl - als Neutralöl verkauft - auf pflanzlicher Basis. Es wird aus Palmkern- und Kokosöl hergestellt. Das Produkt zeichnet sich durch besondere Eigenschaften aus - es lässt sich nicht nur leicht auftragen, sondern zieht auch rasch ein. Dabei verhindert es starkes Rückfetten. Darüber hinaus ist es prädestiniert für die Behandlung gereizter, überpflegter Haut. Außerdem dringen die Triglyceride kaum in die Hornschicht ein - sie verbleiben vielmehr weitgehend an der Oberfläche. Dies ist von Vorteil - insbesondere für Menschen, deren Haut sensibel ist. So kommt es nicht zum Interagieren des Öls mit eigenen Fetten, welche mit der Regulation des Wasserverlusts der Haut beschäftigt sind.
 

Verschiedene Produkte werden als sogenanntes „Neutralöl“ oder MCT-Triglyceride auf dem Markt angeboten. Sie unterscheiden sich hinsichtlich der prozentualen Komposition beider Fettsäuren - Caprinsöure zum einen und Caprylsäure zum anderen. Zu erwähnen sind zum Beispiel Tegosoft CT des Unternehmens Evonik, Mygliol 812 von Sasol und Myritol 312 von Cognis. Bei allen Produkten handelt es sich um Lipide auf Basis von etwa 50 bis 65 Prozent Caprylsäure und etwa 30 bis 45 Prozent Caprinsäure. Es empfiehlt sich, Neutralöl immer dort zu verwenden, wo es um eine nicht reaktive, äußerst reizfreie Hautatmosphäre, auch eine Optimierung des Auftragsgefühls geht. Nicht zuletzt ist Neutralöl auch bei lichtexponierten Rezepturen ein absolut sinnvoll eingesetztes Lipid - dies auf pflanzlicher Basis. Nichts desto-trotz sollte auf dieses Öl in der Kosmetik Industrie verzichtet werden. Bea Nature Naturkosmetik verwendet kein Palmöl mehr in seinen Naturkosmetik Produkten.


Zu den weltweit größten Palmöl-Produzenten zählen Indonesien und Malaysia - allein diese beiden Länder liefern etwa 85 Prozent des Palmöls weltweit. Doch auch in Thailand, Kolumbien sowie Nigeria wird Palmöl gewonnen. Zunehmend rückt auch Amazonien in den Fokus der Palmölindustrie. Rund 50 Prozent Amazoniens scheint geradezu prädestiniert zum Anbau von Ölpalmen. Damit kommt Brasilien in Zukunft eine verstärkte Rolle in diesem Bereich zu - zumal das Land auch billiger als in Südostasien ist. Folgerichtig gibt Flexa Ribeiro, ein brasilianischer Senator, zu verstehen: „Palmöl ist unser grünes Erdöl.“ In den letzten Jahren kam es in Indonesien zu einer kontinuierlichen Vergrößerung der Anbaufläche für Ölpalmen: Waren es 1981 noch 2.300 Quadratkilometer, sind es 2015 bereits 90.000 Quadratkilometer jährlich. Die jährliche Wachstumsrate beträgt mindestens fünf Prozent - mit steigender Tendenz. Keine Frage: Die steigende Nachfrage nach Palmöl ist auch der Verteuerung fossiler Energieträger, insbesondere Erdöl sowie Erdgas, geschuldet. In diesem Sog steigt allerdings auch der Preis für Palmöl. Im Februar 2011 kam es zu einer Explosion des Weltmarktpreises für Palmöl: Eine Tonne Palmöl kletterte damals auf den Rekordpreis von 1.249 US-Dollar - der höchste jemals notierte Stand. Damit war das sogenannte grüne Erdöl teurer als Erdöl. Zum Vergleich: Im November 2015 betrug der Preis je Tonne Palmöl lediglich rund 500 US-Dollar.
 

Die Ölpalme ist eine absolut vielseitig nutzbare Pflanze. Sie gedeiht rund um den Äquator am besten - in den feucht-warmen Tropen findet sie optimale Wachstumsbedingungen. Nach ihrem Anbau ist sie nach ca. drei bis fünf Jahren kommerziell voll nutzbar. Mit einer Stabilisierung des Ertrags ist in einem Zeitraum von vier bis sechs Jahren zu rechnen. Der langsame Rückgang der Produktion stellt sich erst relativ spät ein - etwa ab dem 21. Jahr. Dann werden die alten Palmen durch neue ersetzt. Die extrem hohe Produktivität der Ölpalme ist es auch, die dazu geführt hat, dass sie heute als erfolgreichste aller Ölpflanzen gilt - dies sogar mit deutlichem Abstand: Sie bringt es auf durchschnittlich rund 3,7 Tonnen je Hektar Ertrag. Außerdem erweist sich die Ölpalme als äußerst robust und damit kaum anfällig für Schädlinge.

Palmöl als Klimakiller

In Südostasien genauso wie in Lateinamerika und Afrika kommt es jeden Tag zur Rodung und zum Abbrennen riesiger Regenwaldflächen. Damit soll Platz für die Plantagen geschaffen werden. Als Folge dieses Vorgehens gelangen erhebliche Mengen klimaschädlicher Gase direkt in die Atmosphäre. So wundert es auch nicht, dass Indonesien, das Hauptproduktionsland von Palmöl, im Jahre 2015 zeitweilig für mehr Treibhausgasemissionen verantwortlich war als die USA. CO2- und Methanemissionen sind dafür verantwortlich, dass der via Palmöl produzierte Biosprit erheblich klimaschädlicher ist als Treibstoff aus Erdöl - er ist dreimal so klimaschädlich.
 

Das Klima leidet also - das ist aber nicht alles: Mit den schwindenden Bäumen verabschieden sich auch seltene Tierarten. Dazu gehören Orang-Utans genauso wie Sumatra-Tiger oder Borneo-Zwergelefanten. Die Mehrzahl der Orang-Utans in Indonesien wird auf Ölpalmen-Plantagen abgeschossen beziehungsweise verstümmelt oder gefangen. Auch Kleinbauern und indigene Völker, deren Heimat seit Generationen der Wald war, werden nicht selten rücksichtslos von ihrem Boden vertrieben. Allein in Indonesien stehen Hunderte Landkonflikte im Kontext mit der Palmölindustrie. Selbst Bio-Plantagen beziehungsweise nachhaltig bewirtschaftete Plantagen sind vor Menschenrechtsverletzungen nicht gefeit.
 
Wir - als Verbraucher - sind in der Regel ahnungslos. Doch auch unser täglicher Palmölkonsum bleibt von negativen Auswirkungen nicht verschont. In sogenanntem raffiniertem Palmöl befinden sich nicht unerhebliche Mengen gesundheitsschädlicher Fettsäureester - letztere können nicht nur das Erbgut schädigen, sondern auch Krebs verursachen. Also immer vorher informieren!
 
INCI Zusammensetzungen in Crèmes oder Lotionen die Palmöl enthalten:
 
INCI: Glyceryl Stearate, Glyceryl Stearate Citrate, Caprilic Capric Trygliceride,
 
Emulsan, Neutralöl,

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