Artikel über Neurodermitis

Artikel über Neurodermitis

Die Neurodermitis ist eine häufig vorkommende Hauterkrankung, unter der vor allem Kinder leiden. Charakteristisch sind entzündliche Veränderungen wie Rötungen, Schwellungen, Schuppen- und Bläschenbildung sowie starker Juckreiz, der exzessives Kratzen der betroffenen Stellen auslöst. In vielen Fällen heilt die Neurodermitis spätestens in der Pubertät spontan ab, nur bei einem Teil der Betroffenen bleibt die Erkrankung im Erwachsenenalter in meist milderer Form bestehen.

Wie entsteht eine Neurodermitis?


Noch ist nicht vollkommen geklärt, welche Ursachen einer Neurodermitis zugrunde liegen. Vermutlich ist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren für die Entstehung der Hauterkrankung verantwortlich: Mit ziemlicher Sicherheit spielt dabei die erbliche Veranlagung eine wesentliche Rolle. Diskutiert wird auch ein Zusammenhang mit übertriebener Hygiene, durch die das körpereigene Immunsystem angeregt wird, mangels vorhandener Keime eigentlich harmlose Fremdsubstanzen aus der Umwelt zu bekämpfen.

Sicher festgestellt konnte dagegen werden, dass bei einer Neurodermitis die natürliche Schutzbarriere der Haut nur unzureichend ausgebildet ist. Sie trocknet dadurch leichter aus, ist anfälliger für eine Besiedelung durch Bakterien und reagiert stärker auf Umweltreize. Als unmittelbare Auslöser der Neurodermitis-Symptome kommen je nach Veranlagung bestimmte Allergene wie Pollen, Tierhaare oder Hausstaub, verschiedene Nahrungsmittel, Kleidungsbestandteile oder Waschmittel infrage. Stress und seelische Belastungen können keine Neurodermitis verursachen, wohl aber einen akuten Schub auslösen oder eine bereits bestehende Symptomatik verschlechtern.

Wer ist von einer Neurodermitis betroffen?

In den westlichen Industriestaaten leiden etwa 5 bis 20 Prozent der Kinder und 1 bis 3 Prozent der Erwachsenen unter einer Neurodermitis. Dabei macht sich die Krankheit bei etwa 60 Prozent der Kinder bereits im ersten Lebensjahr bemerkbar, 90 Prozent erkranken vor dem fünften Lebensjahr. In vielen Fällen schwächen sich die Symptome bis zur Pubertät ab und verschwinden danach ganz – nur bei etwa 20 bis 30 Prozent der Patienten bleibt die Neurodermitis bis ins Erwachsenenalter bestehen. Sehr selten treten die typischen Hautveränderungen im höheren Lebensalter erstmals auf.

Besonders gefährdet sind Kinder, deren Eltern selbst unter einer Neurodermitis, Heuschnupfen oder Asthma leiden: Bei ihnen besteht ein Erkrankungsrisiko von etwa 30 Prozent, bei einer genetischen Veranlagung seitens beider Elternteile steigt dieses Risiko auf bis zu 80 Prozent an. Aus diversen Studien geht hervor, dass die Erkrankung in den letzten Jahrzehnten vor allem in den Industrienationen auf dem Vormarsch ist: Gründe hierfür könnten die steigende Luftverschmutzung, eine unausgewogene Ernährung und übertriebene Hygiene sein.

Charakteristische Symptome der Neurodermitis

In den ersten beiden Lebensjahren tritt die Erkrankung als Milchschorf in Erscheinung. Die Haut des Babys rötet und schuppt sich vor allem an der Kopfhaut und den Wangen, oft verfärben sich die erkrankten Stellen dunkelrot und beginnen zu nässen. Nach dem Abtrocknen der nässenden Stellen bildet sich der typische Milchschorf, der nach einer Weile zurückgehen, sich aber auch auf andere Körperbereiche ausdehnen kann.

Zwischen dem 3. und 18. Lebensjahr treten die charakteristischen Symptome der Neurodermitis auf: Die Haut ist vor allem an Armbeugen und Kniekehlen extrem trocken, gerötet und oftmals entzündlich verändert. Auch Hals- und Gesichtsbereich können betroffen sein. Der begleitende Juckreiz ist sehr unangenehm und löst starkes Kratzen der betroffenen Stellen aus, was zu weiteren Hautirritationen führen kann.

Bei Erwachsenen äußert sich die Erkrankung oftmals in Form von kleinen, juckenden Hautknötchen, die neben Armbeugen und Kniekehlen vor allem Stirn, Hals und Augenlider befallen. Mit der Zeit können sich betroffene Hautareale lederartig verdicken.

Wie kann die Neurodermitis behandelt werden?

Die Therapie einer Neurodermitis setzt an verschiedenen Punkten an. Ziel ist es, auslösende Faktoren so gut wie möglich zu vermeiden, die Schutzfunktion der empfindlichen Haut mit entsprechender Pflege zu unterstützen und auftretende Beschwerden zu lindern.

Um bestimmte Nahrungsmittel als Triggerfaktoren zu bestimmen, kann es sinnvoll sein, ein Ernährungstagebuch zu führen. Steht ein Lebensmittel als Auslöser fest, muss es konsequent vom Speiseplan gestrichen werden – eine spezielle Neurodermitis-Diät existiert dagegen nicht. Andere Allergene wie etwa Hausstaubmilben können mit entsprechenden Hygienemaßnahmen bekämpft werden, hautreizende Textilien sind in der Regel leicht durch verträgliche Alternativen zu ersetzen. Kleidung und Bettwäsche sollte vor der ersten Benutzung gewaschen und bei jeder Wäsche besonders gut gespült werden.

Eine wichtige Rolle spielt die konsequente Pflege der Haut auch in beschwerdefreien Zeiten. Zur täglichen Basispflege sollten rückfettende und feuchtigkeitsspendende Cremes und Lotionen verwendet werden, insbesondere nach dem Duschen oder Baden ist das sorgfältige Eincremen Pflicht. Häufiges Duschen oder Baden trocknet die Haut zusätzlich aus: Experten empfehlen, nur jeden zweiten Tag zu duschen und höchstens ein- bis zweimal pro Woche ein Bad zu nehmen.

Bei einem akuten Schub kann der kurzfristige Einsatz von Cortison-Präparaten Entzündungen effektiv lindern. Eine Phototherapie mit UV-Licht zeigt in vielen Fällen ebenfalls eine entzündungshemmende Wirkung, schwere Entzündungsreaktionen können durch spezielle Immunsuppressiva gemildert werden. Zur Linderung von starkem Juckreiz stehen bestimmte Antihistaminika zur Verfügung. Eine neue Therapieoption stellt laut einer aktuellen Studie der seit September 2017 in der EU zugelassene monoklonale Antikörper Dupilumab dar: Der Wirkstoff hemmt die Aktivität bestimmter Botenstoffe, dämpft dadurch das bei der Erkrankung überschießende Immunsystem und lindert Entzündungsreaktionen und Juckreiz.

Entspannungstechniken und alternative Therapieformen

Ergänzend zur schulmedizinischen Behandlung kann das Erlernen einer Entspannungstechnik wie etwa Yoga oder autogenes Training den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen. Bei Experten umstritten ist die Eigenblut-Therapie: Eine Studie der Universität Exsetter (England) zeigte nach fünfwöchiger Durchführung zwar eine Verbesserung des Hautbildes, der Juckreiz konnte nach Angaben der Teilnehmer aber nicht gemildert werden. Keine seriösen Studien liegen zur Wirksamkeit von Homöopathie bei Neurodermitis vor, eine vor Jahren an der Kinderklinik Davos (Schweiz) durchgeführte Studie ließ keine positiven Effekte einer Bioresonanztherapie erkennen.

Die traditionelle chinesische Medizin (TCM), das aus der altindischen Heilkunst stammende Ayurveda und die zur traditionellen europäischen Medizin zählende anthroposophische Dermatologie verfolgen verschiedene Ansätze, die Symptome der Neurodermitis unter Einbeziehung von Körper und Seele zu lindern. Einige Betroffene berichten dabei von guten Erfolgen, wissenschaftliche Bestätigungen für die Wirksamkeit derartiger Therapien stehen aber aus.

Hoffnung für Neurodermitiker

Zwar ist die Erkrankung nach heutigem Stand der Wissenschaft nicht heilbar, durch neuartige Medikamente und die Kombination verschiedener Therapieformen kann in vielen Fällen aber eine deutliche Linderung der Symptome erreicht werden. Eine auf die Erkrankung abgestimmte Gestaltung des Alltags trägt wesentlich zur Steigerung der Lebensqualität bei, zudem besteht in jedem Lebensalter die Hoffnung auf ein spontanes und langanhaltendes Abklingen der Symptomatik.

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