Mikroplastik – Wo kommt es her und wie kann man es vermeiden?

Mikroplastik – Wo kommt es her und wie kann man es vermeiden?

Plastikpartikel, die kleiner als fünf Millimeter sind, bezeichnet man als Mikropartikel oder Mikroplastik. Oft sind sie sogar nur wenige Mikrometer groß – also so winzig, dass sie mit bloßem Auge nicht erkennbar sind.

Was ist Mikroplastik und wie entsteht es?


Mikroplastik ist in unserer Umwelt heute allgegenwärtig. Es entsteht sowohl auf „natürlichem“ Wege, wenn größere Kunststoffteile zu kleineren „verwittern“. Das passiert z. B. mit Plastiktüten und Kunststoffverpackungen, die durch die UV-Strahlung des Sonnenlichts spröde werden. Mikroplastik wird aber auch bewusst produziert – z. B. als Kunstfasern für Textilien und Bestandteile von Kosmetika oder Reinigungsmitteln.

Umweltgefahr Mikroplastik

Plastik ist allgemein ein großes Problem für die Umwelt. Es ist nicht biologisch abbaubar – persistent, wie der umweltchemische Fachbegriff lautet. Zudem wird Plastik aus dem immer knapper werdenden Rohstoff Erdöl hergestellt. Die Unmengen an Kunststoffmüll, die in die Umwelt gelangen, sind kaum noch zu beziffern.

Mittlerweile erhalten die ersten Kläranlagen in Deutschland zusätzliche Klärstufen, um auch Mikroplastik und andere Mikroschadstoffe im Abwasser ausfiltern zu können. In der Regel kommen diese mikroskopisch kleinen Partikel verhältnismäßig ungehindert mit dem geklärten Wasser in Flüsse, Seen und Meere. Der herausgefilterte Anteil findet im Klärschlamm über die Äcker seinen Weg in die Gewässer. Dort finden sich bereits heute unzählbare Mengen kleinster Partikel. Mit 98 % stammt der Löwenanteil aus Aktivitäten an Land. Jährlich gelangen so über drei Millionen Tonnen Mikropartikel aus Plastik in die Ozeane. Im Meer wirken sie wie ein Magnet für andere Umweltgifte. Neben den bereits im Plastik enthaltenen Stoffen (Weichmacher etc.) lagern sich an ihrer Oberfläche andere, kaum abbaubare Stoffe an, vor allem Insektizide (DDT), Flammschutzmittel oder polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Durch Filtration werden sie von Muscheln, Würmern und Fischen aufgenommen. So gelangen die Schadstoffe in die Nahrungskette und landen letztlich beim Menschen.

Mikroplastik in synthetischer Bekleidung

Ein Großteil unserer Bekleidung enthält Kunstfasern. Fleece, Funktions- und Sportbekleidung oder Stretch bestehen aus Polyester, Polyamid, Elasthan oder Acryl. Bei jedem Waschgang verlieren diese Kleidungsstücke winzige Fasern, die nicht vom Flusensieb der Waschmaschine aufgefangen werden. Da sich pro Wäsche Hundertausende Fasern lösen, ist synthetische Bekleidung mit einem Anteil von mehr als einem Drittel an der Gesamtmenge die größte Quelle für Mikroplastik in Gewässern. Eine Alternative sind Naturtextilien aus Baumwolle, Wolle, Leinen, Hanf oder Seide.


Mikroplastik in der Kosmetik

Es ist erstaunlich, was in unseren Badezimmern alles aus Kunststoff ist – nicht nur Zahnbürste, Zahnputzbecher und Kosmetikverpackungen, sondern vor allem deren Inhalte. Sie enthalten Kunststoffe in flüssiger, gel- oder wachsartiger und fester Form.

Diese Stoffe werden zu entsprechend unterschiedlichen Zwecken beigemischt. Sie verbessern die Konsistenz von Cremes, Sonnenmilch oder Bodylotion. Sie erhöhen den Glanz von Lippenstiften und Lipgloss oder dienen in Form von kleinen Kügelchen als Schleifmittel in Zahnpasten, Duschgels, Shampoos und Peelings.

Der Anteil des Mikroplastiks aus Kosmetika macht nur etwa 2 % der Gesamtbelastung in den Ozeanen aus. Damit stehen Kosmetikartikel weit hinter den beiden größten Eintragsquellen: synthetische Bekleidung und Reifenabrieb von Kraftfahrzeugen. Dennoch ist Mikroplastik in Kosmetik ein großes Problem. Neben dem Gewässereintrag mit seinen negativen Folgen für die Umwelt müssen sich Verbraucher auch im Klaren sein, dass sie sich Kunststoffe auf den Körper, in die Haare und ins Gesicht schmieren – Kunststoffe, über deren gesundheitliche Auswirkungen sie in der Regel keine Informationen haben.


Die Industrie spielt auf Zeit

Kosmetikhersteller berufen sich gerne auf die Tatsache, dass Mikropartikel in viel höherem Maße durch andere Produkte in die Umwelt gelangen, als durch Kosmetika. Mittlerweile haben viele Hersteller sich aber freiwillig verpflichtet, auf Plastik in ihren Kosmetikprodukten zu verzichten. Diese Selbstverpflichtung bezieht sich vor allem auf Polyethylen (PE), dem wohl am häufigsten verwendeten Mikroplastik. PE wird vor allem in Form von Kügelchen in Peelings oder Zahnpasten verwendet. Tatsächlich wurde nach Aussage des Umweltbundesamtes und Greenpeace bereits in 80 % der Produkte PE durch andere Inhaltsstoffe ersetzt. Ob das allerdings ausreicht, darf bezweifelt werden. Noch im Jahr 2016 enthielt bei einer Analyse der Verbraucherplattform CodeCheck jedes dritte Gesichtspeeling und mehr als jedes zehnte Körperpeeling PE-Kügelchen. Und PE ist bei weitem nicht das einzige Mikroplastik in Kosmetikprodukten. Vor allem viel kleinere Partikel, die als Trübungsmittel oder zur Farbgebung verwendet werden, finden sich immer noch in fast allen Produkten.

Viele Kunststoffe, die von Umweltorganisationen als Mikroplastik eingestuft werden, sehen die Hersteller gar nicht als solche an. Das führt zu sehr unterschiedlichen Zahlen. In einer 2017 veröffentlichten Studie wirft Greenpeace der Kosmetikindustrie daher Verbrauchertäuschung vor. Vieles, was nach Herstellerdefinition mikroplastikfrei ist, enthält nach wie vor Kunststoffe – nur eben nicht mehr als Kügelchen, sondern pulverisiert, gelartig oder flüssig. BUND und Greenpeace fordern daher ein Verbot, das neben dem weit verbreiteten PE auch andere Kunststoffe ohne Begrenzung der Partikelgröße einbezieht.


Konventionelle Kosmetik – die häufigsten Kunststoffe

Neben PE sollen andere Kunststoffe für unterschiedlichste Effekte sorgen. Noch 2016 fand sich in jedem vierten Duschgel Polyquaternium-7, ein polymeres Ammoniumsalz mit filmbildenden Eigenschaften, um das Produkt cremig zu machen und für ein geschmeidiges Gefühl auf der Haut und in den Haaren zu sorgen. Jeder zehnte Puder enthielt Nylon-6 oder Nylon-12, um dem Produkt seine „pudrige“ Konsistenz zu verleihen. Sprays enthalten häufig Teflon, um Haare leichter kämmbar zu machen. Silikone verhindern das Tropfen von Shampoos und Duschgelen.

Damit der Verbraucher bei konventioneller Kosmetik Mikroplastik in der Inhaltsangabe erkennen kann, müssen Kunststoffe eindeutig deklariert werden. Aber die ohnehin sehr klein gedruckten Angaben mit ihren komplizierten Bezeichnungen sagen eigentlich nur Chemikern etwas. Die gängigsten Kunststoffe sind neben den bereits erwähnten Stoffen: Polypropylen, Polyamid, Polyethylenterephtalat, Polyurethan, acrylates Copolymer, acrylates Crosspolymer, Polyacrylat, Polymethylmethacrylat oder Polystyrol. Meistens haben sie allerdings überhaupt nichts mit Haut oder Haar zu tun. Sie sind lediglich für die Konsistenz – dafür, wie sie ein Produkt anfühlt – verantwortlich.

Tipps für den Verbraucher – aufmerksam einkaufen oder am besten Naturkosmetik verwenden

Hilfe bei der Identifizierung von Mikroplastik bieten Checklisten mit den am häufigsten in der Kosmetikindustrie verwendeten Kunststoffen. Der Einkaufsratgeber „Mikroplastik. Die unsichtbare Gefahr.“ des BUND nennt Ross und Reiter und kann auch als Download bezogen werden. Mittlerweile gibt es auch Apps, die beim Einkauf helfen. Nach dem Scannen des Barcodes informiert die App „CodeCheck“ über potentiell schädliche Inhaltsstoffe. Die App „Beat the Microbead“ scannt speziell nach Mikroplastik, allerdings ist ihre Produktdatenbank derzeit noch ungenügend.

Wer generell synthetischen Polymeren aus dem Weg gehen möchte, greift am besten zu zertifizierter Naturkosmetik. Mittlerweile finden sich dort viele Alternativen zur konventionellen Kosmetik mit Mikroplastik. Als Ersatz kommen pflanzliche oder mineralische Stoffe zum Einsatz. Tonerde, Kreide, Kieselmineralien oder Salz werden z. B. als Polierkörper in Zahnpasta benutzt. Gemahlene Nussschalen und getrocknete und zermahlene Oliven-, Apfel- oder Traubenkerne oder Weizenkleie kommen in Peelings zum Einsatz, fein gemahlene Mineralien in Deko-Kosmetik. Auch für viele andere Produkte gibt es mikroplastikfreie Alternativen. Auf diese Weise schützen Verbraucher nicht nur sich selbst, sondern auch die Umwelt.

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